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Immobilien Bau-Boom könnte schnell wieder vorbei sein

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In deutschen Städten fehlt es an Wohnungen, die Kreditzinsen sind niedrig – also wird allenthalben gebaut. Doch der Bauboom hierzulande könnte in absehbarer Zeit schon wieder zu Ende gehen. Das legen die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen nahe: Demnach gestatteten die zuständigen Behörden in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres die Errichtung von knapp 314.000 Wohnungen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von fast acht Prozent.

Besonders stark ist der Rückgang bei den Genehmigungen für den Bau von Wohnheimen, wozu auch Flüchtlingsunterkünfte zählen. Das Minus lag hier bei fast 43 Prozent oder 9500 Einheiten. Rechnet man dies heraus, sank die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen aber immer noch um rund zwei Prozent. Betroffen sind nach Angaben der Wiesbadener Statistiker alle Gebäudearten – also Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Indikator dafür, wie sich die Bautätigkeit und das Angebot an Wohnraum in der kommenden Zeit entwickeln werden. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegen allerdings mitunter Jahre. Es wird auch nicht längst jedes genehmigtes Bauprojekt realisiert – etwa deshalb, weil der Investor die Finanzierung nicht hinbekommt.

Nach Branchenschätzungen müssten in Deutschland jedes Jahr bis zu 400.000 Wohnungen neu auf den Markt kommen, um die steigende Nachfrage zu decken. Insbesondere in vielen Groß- und Universitätsstädten sind die Wohnungsmärkte leergefegt, die Mieten und Kaufpreise steigen. Im vergangenen Jahr dürften bundesweit rund 300.000 Wohnungen fertiggestellt worden sein, 2016 waren es rund 280.000.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist die rückläufige Zahl der Baugenehmigungen eine schlechte Nachricht für Wohnungssuchende. Zwar sei der grundsätzliche Befund nicht überraschend, meinte am Donnerstag DIW-Experte Claus Michelsen.

Denn schließlich gehe die Zahl der Geflüchteten zurück, die nach Deutschland kommen. Außerdem seien in den vergangenen Jahren viele Wohnungsbauprojekte vorgezogen werden, um verschärften Baustandards zuvorzukommen. Eine Enttäuschung sei jedoch, dass auch die Zahl der Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser rückläufig ist. Dem Bauboom schein „zumindest vorübergehend selbst dort die Puste auszugehen, wo neuer Wohnraum dringend gefragt ist – nämlich in großen Städten, wo in der Regel Mehrfamilienhäuser stehen“, sagte Michelsen.

Die deutsche Baubranche forderte am Donnerstag die Politik auf, die richtigen Voraussetzungen für zusätzliche Investitionen in den Wohnungsbau zu schaffen. Es fehle an geeignetem Bauland für den Wohnungsbau, berichteten die Präsidenten des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie sowie des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Peter Hübner und Hans-Hartwig Loewenstein. Bund, Länder und Kommunen müssten verstärkt verbilligtes Bauland bereitstellen. Im sozialen Wohnungsbau müssten pro Jahr 80.000 Einheiten errichtet werden. „Mit knapp 25.000 fertig gestellten Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau 2016 sind wir davon immer noch weit entfernt, obwohl die Länder vom Bund jährlich 1,5 Milliarden Euro dafür bekommen“, hieß es von Seiten der Verbände.

 

Quelle: Frankfurter Rundschau

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von factum
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